Bodensee
Ärzteorchester e.V.

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Deutscher Liebhaberorchester e.V.

2014 Programm

 

Verehrte Konzertbesucher,

wie behauptet sich W.A.Mozart zwischen zwei Komponisten der Romantik? – Oder muss man umgekehrt fragen: Wie gesellen sich die beiden Romantiker zum Altmeister Mozart? Klassische Komponisten wie Mozart schufen quasi aus der Volksmusik heraus, also Melodien mit 2 x 4 Takten, formal durchsichtig, oft als Frage-Antwort-Spiel, rhythmisch und melodisch verständlich. Die Komponisten der Romantik wollten hingegen durch Genialität und Virtuosität glänzen.

In unseren drei Werken bedient sich jeder der Komponisten der Charakteristika der anderen Zeit. Mozart glänzt mit Perfektion und Schnelligkeit in den Soloparts am Klavier, mit gefühlsstarken Themen und bis an die Grenzen gehender Genialität bei Spieltechniken und klanglichen Reizen. Unsere beiden Romantiker stehen mit ihrer fast klassischen Sachlichkeit realistisch auf dem Boden unterhaltsamer Musik.

Friedrich Kuhlau, deutsch-dänischer Komponist, geb.1786 in Uelzen, gest. 1832 in Lyngby bei Kopenhagen verlor als Kind durch einen Unfall das rechte Auge. Seine Laufbahn als Komponist begann damit, dass dem Jungen ein Klavierbrett übers Krankenbett gelegt wurde.

Die Oper “Elisa” führt uns in die romantisierende, verklärende Betrachtungs-weise mittelalterlichen  Rittertums am dänischen Hoftheater um 1820. Man erinnerte sich an die Zeit der Kreuzzüge, von denen es hieß, die Ritter hätten aus dem Osten neue Manieren, neues kulturelles Gedankengut mitgebracht. Diesem Thema widmet sich die Oper. Es ist eine Ritterromanze, in der die Heldin im Glauben, ihr Geliebter Albrecht sei bei einem Kreuzzug gestorben, sich verpflichtet fühlt, den Ritter Sir Wilhelm zu heiraten, weil ansonsten das Gut ihres Vaters einem gierigen Abt zufallen würde. Just am Tag der Hochzeit kehrt Albrecht zurück. Er erklärt tapfer seinen Verzicht gegenüber Elisa. Passend dazu liest sich der Arbeitstitel bei Kuhlau: “Elisa oder Freundschaft und Liebe”

Wenn auch die Oper am elenden Text des Librettos scheiterte, so schafft es Kuhlau in der Ouvertüre meisterhaft, die Wechsel der unterschiedlichen Situationen und Charaktere ineinander zu fügen: Signale der Ankunft der Krieger, die Festlichkeiten vor der Hochzeit, eine musikalische Beschreibung der aparten Braut, oder der Mönch Anton, der sich in ewig moralisierenden Reden verliert.

Wolfgang Amadeus Mozart komponierte dieses Konzert  im März 1786 in Wien, wo es im gleichen Jahr von ihm selbst uraufgeführt wurde. Es ragt aus der Serie seiner Klavierkonzerte insofern heraus, als er mit ihm eine neue Art Kämpfernatur entwickelte. Das wird schon im ersten Satz sichtbar: Starke leidenschaftliche Spannung entsteht durch die verminderte Septime, die, im Hauptthema verankert, zu Beginn durch das Orchester vorgestellt wird und den Satz dominiert. So leuchtet immer wieder eine Art Trotz im Wechselspiel zwischen Solist und Orchester auf.  2.Satz: Formal ein schöner Sonatensatz mit zwei mal vier Takten, also ganz im klassischen Sinne. Aber die feinsinnige Ideedieses besinnlich-schönen Themas, schlicht, liedhaft, bezaubernd, hat schon etwas Träumerisches an sich.

Das Finale ist ein Variationensatz. Klassisch durch seine kurzen, klaren Motive, von der Grundhaltung aber schon wieder etwas dramatisch, kämpferisch gesetzt. In den Variationen wird die enge, konzertante, sinfonische Verbindung von Soloinstrument und Orchester deutlich. Beide ergänzen sich. Zugleich erhält das Piano Raum zur Entfaltung virtuosen Passagen- und Figurenwerks. 

August Friedrich Martin Klughardt,  geb.1847 in Köthen, gest.1902 in Dessau, war deutscher Komponist und Dirigent. Mit 10 Jahren erhielt er seinen ersten Klavierunterricht und begann für seinen “Musikzirkel” am Gymnasium zu kom-ponieren. Klughardts Begegnung mit Franz Liszt legte den Grundstein zu seiner Begeisterung für die sog. “Neudeutsche Schule”, insbesondere für Richard Wagner, dessen Idee der Leitmotivik Klughardt in seinen Opern aufgriff. 1898 wurde er Mitglied der Berliner Akademie der Künste, 1900 zum Ehrendoktor der Universität Erlangen ernannt.

Romantischen Schliff erkennen wir sehr schnell an den breit angelegten Themen. Einer romantischen Seele genügen für das erste große Einatmen nicht mehr nur 8 Takte. Das Doppelte an Raum muss sein, denn anders lässt sich ein großzügiger, weitläufiger Gedanke – vom Tutti vorgetragen – nicht auflegen. Leicht abgeändert dürfen sich dann die Bläser an der Idee ergötzen, und bald finden wir durch immer neue Auslegungen des Themas interessante Entwicklungen, gewürzt durch heiter-fröhliche Kommentare z.B. der Holzbläser.

Ein Romantiker versucht Grenzen aufzustoßen. Das Resultat mag - wie im ersten Satz - ein würziger “Roman” (im Sinne von Länge) oder - wie im zweiten Satz – die Unendlichkeit harmonischer Ruhe sein. In jedem Fall aber tritt eine musikalische Erzählkunst zu Tage, die sich einer breiten Palette an Farben und Formen, Gegensätzen und einfallsreichen Melodiebögen bedient und uns so fasziniert. Denn immer werden Geschichten erzählt, die uns als aufmerksame Zuhörer auffallen können. Aus dem 3. Satz sei verraten, dass dies eine slawische Begebenheit ist, denken Sie an A. Dvorak. Und im letzten Satz? Der Komponist berichtet von Spielwitz und Spaß bei seinen Aufführungen.

 Hans Jörg Walter

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18.04.2014