|
Südkurier 27.07.2006
Bläser-Serenade in bezauberndem Ambiente
Zu Gunsten der Kinder von Cali spielte das Bläser-Quinett vom Bodensee-Ärzteorchester vor großem Publikum im
Museumsgarten.
An ein Amphie-Theater erinnert der Aufbau von Bühne und voll besetztem Publikums-Gestühl in der bezaubernden
Kulisse des Museumsgartens in Überlingen. Kein Lüftchen regt sich. Die Abendsonne entsendet ihre letzten Strahlen. Peter Graner (Flöte), Ralf Merschformann (Oboe), Ulrike Merschformann (Fagott),
Gottfried Wegenast (Horn) und der das Programm moderierende Klarinettenspieler Siegmar Mende, die als homogenes Bläser-Quintett vom Bodensee-Ärzte-Orchester zu Gunsten der Kinder von Cali (Kolumbien)
spielen, musizieren mit Inspiration ein ansprechendes Programm. Es mündet im Continuo des Fagotts in eine Bearbeitung der Habanera aus der Oper Carmen von Bizet, die nach enthusiastischem Applaus einen
Teil der Zugaben bildet.
Das Publikum möge die 59 Takte des Fagotts im langsamen, Tango-ähnlichen Tanz mitzählen, verdoppeln und später ins
Spendenkörbchen für die Kinder aus dem kolumbianischen Cali werfen, bittet der musikbegeisterte Flötist, der als Kinderarzt im Ruhestand seine Frezeit nutzt, "immer wieder so aparte Sachen für das
konzertierende Bläserquintett" zu finden, wie in der Pause bei angeregter Unterhaltung eine Dame aus dem Publikum bemerkt. "Ich finde diesen Abend entzückend", und "Bläser sind
sowieso meine Schwäche" lauten hier die ersten Resümées.
Die stimmungshebende Bläser-Serenade beginnt vor Mozarts ausbalanciertem, aus freimaurerischem Anlass im Original
für zwei Klarinetten und drei Bassetthörner entstandenem Adagio B-Dur KV mit dem dreisätzigen Bläserquintett Nr. 1 in B-Dur aus der Feder von Mozarts Zeitgenossen Guiseppe Cambini. Ein gefälliges
anzuhörendes, heiteres Stück von besonderem Liebreiz, in dem die Bläser mit Liebe zum Detail lebendig miteinander korrespondieren. Jedes Instrument dialogisiert dabei mit jedem, wobei jeder einzelne der
fünf virtuosen Interpreten dem Charakter seines individuellen Instrumentes entsprechend mit gehaltvoll cantablen Tönen erfreut. Spannend interpretiert sind die drei Stücke aus "la Chemineé du Roi
René" von Darius Milhaud. Milhaud, der zu den fleißigsten Komponisten des 20. Jahrhunderts gehört, gilt als Hauptvertreter der polytonalen Musik. Der quirlig turbulenten Jongleur-Szene, in der sich
die Flöte im Glissando versucht, folgt die Pastorale op.14 aus der Feder von Gabriel Pierneé, der bekannt ist durch seine packende Croisade des enfants (Kinderkreuzzug) und ein Musterbeispiel ist für
durchsichtige und farbige Instrumentation. Beglückend beseelt sind die runden, transparenten Oboentöne, die wie bunt schillernde Seifenblasen aus dem samtig weichen, träumerischen Bläsersound in den
Abendhimmel schweben.
Vom Dänen Peter Rasmussen entstammt das Original der fünfsätzigen F-Dur-Bearbeitung für Bläserquintett. Nach
unbekümmert musikalischem farbigem Miteinander öffnet die Klarinette die Tür zum Andante cantabile, das so unbeschreiblich schön und lebendig klingt, dass allein dieses zu hören das Kommen gelohnt hätte.
Gabi Rieger
|