Bodensee
Ärzteorchester e.V.

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Kritik Konzert Lindau 2007, SZ

Konzert 24.03.2007 Lindau

Schwäbische Zeitung, 26.03.2007

Virtuos: Ärzte spielen für Exilio

LINDAU (bero) - Der Beruf Arzt setzt einen Hang zur Präzision sicherlich voraus - schon zum Wohle der Patienten. Wenn jedoch, wie beim Bodensee-Ärzteorchester, diese Präzision in Musik gegossen wird, resultiert daraus der reine Hörgenuss - sehr zum Wohle des Publikums.

Dass das hauptsächlich von Ärzten getragene Orchester, das mit seinen Konzerten grundsätzlich Hilfsprojekte unterstützt, in der Inselhalle gastierte, verdanken die Lindauer Musikfreunde dem Verein Exilio, in dessen Kasse die Spenden aus diesem Benefizkonzert fließen. Vorsitzender Dr. Dietmar Stoller nutzte die Gelegenheit, um beim Konzert den Verein vorzustellen. Ein Kurzvortrag, der - wenn auch auf andere Weise - mindestens genauso unter die Haut ging wie das anschließende anspruchsvolle Konzert. Denn es sind jedes Jahr rund 600 Klienten, die bei Exilio Zuflucht suchen. Menschen, die teilweise schwerste Demütigungen, Misshandlungen oder sogar grausame Folter hinter sich haben - und sich nun einer ablehnenden Umwelt gegenüber sehen, die sie wieder abschieben möchte. Exilio hilft: durch zuhören, dolmetschen, Gutachten erstellen und die Begleitung zu Behörden. Eine professionelle Hilfe, die Geld kostet. Womit wir wieder beim Benefizkonzert wären.

Das Orchester setzte als Auftakt die Ouvertüre zu einer Oper, deren geschichtlicher Hintergrund ebenfalls mit viel menschlichem Leid verbunden sein dürfte: "Wilhelm Tell" von Gioacchino Rossini. Die Ouvertüre allerdings breitete zunächst die Idylle und Erhabenheit der Schweizer Berglandschaft aus. Ein sanftes melodiöses Violoncello - ein Solo, das vom Register aufgenommen und thematisch weiterentwickelt wurde, strahlte souveräne Ruhe aus, die im zweiten Satz mit auf- und abschwellenden Motiven der Dramatik eines imposanten Gewitters in den Bergen wich. Schon hier punktete das Orchester mit nuancenreicher Melodiengestaltung. Zum Finale stürmten die musizierenden Ärzte dann mit der berühmten "Reitermusik" Seit an Seit mit Wilhelm Tell durch die Schweiz. Und dank der Tatsache, dass Dirigent Hans Jörg Walter die Zügel präzise in der Hand hielt, blieben die Musiker auch hier trotz musikalischer Wassergräben sattelfest.

Knisterkonzert im Klingelbeutel

So warmgespielt, waren Orchester und Publikum bereit für eine neue Herausforderung: das Konzert für Klavier und Orchester in a-Moll, opus 16 von Edvard Grieg. Dafür hatten die Ärzte als Unterstützung die Klaviersolistin Dagmar Lindemann verpflichtet. Heraus kam ein von der großartigen Virtuosität der Solistin und dem hervorragenden Können des Orchesters geprägter Dialog, der von punktgenauen Einsätzen und einfühlsamem "Aufeinander hören" lebte. Dabei erlebten die Zuhörer ein raffiniertes musikalisches Wechselbad aus kraftvollen Akkorden, teilweise dissonanten Strukturen, gewürzt mit einem Schuss Romantik, und einer Fülle an Möglichkeiten für die Orchestermitglieder, ebenfalls solistische Glanzpunkte zu setzen.

In der anschließenden Suite für sinfonisches Orchester Nr. 1 d-Moll, opus 43 von Tschaikowsky schien das Bodensee-Ärzteorchester aus dem Vollen des musikalischen Farbkastens zu schöpfen, der einem sinfonischen Streichorchester zugänglich ist. Den sanften, mit leichter Hand nahezu hingetupften Motiven, die sich zu Beginn sprunghaft durch alle Instrumentengruppen zogen, folgten faszinierende, sich in Intensität und Kraft steigernde Satzaufbauten, die alle Register forderten und letztlich zu großer Klangfülle verschmolzen. Daneben hatten vorrangig die Flöten, jedoch auch Oboe, Klarinette und Fagott in den verschwenderisch eingestreuten märchenhaften Melodien alle Hände voll zu tun. Kontrastreich setzten Hörner, Posaune, Bass und das Schlagwerk den dramatisch-bedrohlichen Gegenpol zur Idylle der Streicher und Holzbläser. Ein Klangfarbenspektakel, das die Zuhörer zu lang anhaltendem Applaus hinriss. Zugaben gab es mit Blick auf die Uhr und dem Hinweis auf weitere Auftritte für das Orchester am folgenden Vormittag jedoch keine. Stattdessen blieb dem Publikum die Möglichkeit, selbst ein "Knisterkonzert" im Klingelbeutel von Exilio zu inszenieren.

03.04.2007

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