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Flöte mit voller Kraft
Ärzteorchester
konzertierte im Salem College Überlingen
Es ist im Raume des Bodensees und in dessen Umland bis hinauf nach Sigmaringen bekannt, dass die Ärzteschaft aus dieser Region
sich in verschiedenen Kammermusikgruppen bis zum Symphonieorchester zusammengeschlossen hat und Konzerte gibt. Diese dienen nicht nur der eigenen Freude, sondern sind von einem sozialen Hintergrund
geprägt. So fand ein Benefizkonzert zu Gunsten der “Kinder von Cali” in Kolumbien statt. Das Ärzteorchester mit 43 Mitgliedern gab das Konzert in der Aula des Salem Colleges in Überlingen. Hans
Jörg Walter, Musiklehrer in Markdorf, ist der Dirigent des großen Ensembles, dessen Gründer einst Peter Graner aus Überlingen war. Walter hatte ein Programm zusammengestellt, das jeden Musikfreund
interessieren musste, denn die aufgeführten Werke waren Neuheiten, bis auf das Horn-Konzert in D-Dur, das Joseph Haydn (1732-1809) im Jahre 1762 komponiert hat. Christoph Eß aus Tübingen, heute
noch in Frankfurt a.M. an der Musikhochschule studierend, spielte mit makellosem Tonansatz und reiner Intonation den Solopart. Zu dynamischer Differenzierung fehlte ihm noch etwas der Mut, aber die
Zuhörer quittierten sein Können mit heftigem Applaus. So dass er gerne eine Zugabe des russischen Komponisten Vitali Bujunowsky für Trompete Solo “Espania” gab. Virtuos sprühte Christoph Eß hier Läufe
übers Publikum hinweg oder ließ seine Zuhörer über die Schnelligkeit der Tonwiederholungen staunen. Wohl keiner der Zuhörer kennt den Namen des Komponisten Louise Farrenc (1804-1875) aus Paris.
Zu ihrer Zeit hatten Frauen noch wenig Chancen, öffentlich im Beruf Verantwortung zu tragen, was ihr aber doch als Professorin am “Conservatoire Paris” gelang. Clara Schumann setzte sich sehr für ihre
Werke ein, die mit zarten romantischen Färbungen noch sehr zum klassischen Stil tendieren. In vollen Harmonien begann der Abend mit der Ouvertüre Nr. 2 in Es-Dur op. 24. Aber schon bald zog
Louise Farrenc die volle Kraft zurück und ließ ein feineres Gewebe von Klängen sich abwechselnd erklingen. Ihre Sinfonie Nr. 3 in g-moll op. 36 beschloss in vier Sätzen den Abend. Führend eröffnete die
Oboe die Sinfonie. Horn und Klarinette bauen das “Adagio cantabile” auf, was stark romantischem Charakter entspricht. Laufpassagen prägen das “Scherzo” und in der Durchführung des Finales prägten die
Bläser harmonisch dicht das Geschehen. Siegfried Wagners Name (1869-1930) als Sohn seines berühmten Vaters Richard, ist uns gerade noch bekannt, aber seine Musik, darunter 17 Symphonien, liegt
für uns hinter einem dichten Schleier. Peter Graner hatte sein Konzertstück für Flöte und Orchester entdeckt und an diesem Abend aufgeführt. Zirpende Pizzicati tanzen um die ersten Flötentöne herum.
Formal ist das Stück schwer durchzuhören beim ersten Kennenlernen. Vieles umschlingt und durchdringt sich, so dass die Soloflöte sich ihre Vorherrschaft erkämpfen muss. Denn die orchestrale Dynamik war
nicht zu erkennen. Peter Graner machte es hörbar Spaß, mit voller Kraft seine Solo-Rolle zu behaupten.
FRIEDWARD BLUME
Konstanzer Südkurier 16.5.2002
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