Bodensee
Ärzteorchester e.V.

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Werkbeschreibung 2008

Wolfgang Amadeus Mozart hat die Ouvertüre zur gleichnamigen Oper “Idomeneo”, zwischen Herbst 1780 und der Uraufführung am 29. Jan. 1781 geschrieben. Der antike Stoff spielt kurz nach dem trojanischen Krieg und erzählt vom König Idomeneus, der in Sidon auf Kreta nach seiner Heimkehr gezwungen ist, seinen eigenen Sohn zu opfern. Das zeigt auf, dass dem Verhältnis zwischen Göttern und Menschen in dieser Oper eine wichtige Rolle zukommt. Am Ende der Oper siegt durch einen Orakelspruch des Gottes Poseidon das Gute, eine Abwandlung der Sage durch Mozart und seinen Librettisten Giambattista Varesco.

Mozart legte großes Gewicht auf die Ouvertüre, die er nach den Worten des Vaters Leopold “zu virtuos” geschrieben hatte. Aber die Geschichte hatte den Sohn mit der Figur der Trojanerin Ilia, die in keiner Sage auftaucht, in besonderer Weise erregt. Sie ist purer Mozart und trägt den Namen der verlorenen Heimat Ilion. Sie begeht nicht das Unrecht, erleidet es aber und hält damit den Fortgang des Bösen auf – ein Thema exklusiv für den 25-jährigen Komponisten.

Die letzten Takte der Ouvertüre gleichen einem “Vorhang auf”. In der Oper nimmt die Dramatik auf dem Schiff des Königs ihren Lauf. In unserem Konzert verneigt sich Mozart vor Schumann.

Robert Schumann wurde am 8. Juni 1810 in Zwickau als Sohn eines Buchhändlers geboren. Mit 7 Jahren erhielt er seinen ersten Musikunterricht an der Orgel. Neben dem Unterricht des Gymnasiums, das er besuchte, bot ihm die väterliche Buchhandlung jede Möglichkeit, seine Bildung zu erweitern.

Nach Leipzig kam Robert Schumann in erster Linie, um Rechtswissenschaften zu studieren. In der freien Zeit forcierte er sein Musikstudium und nahm Unterricht in Kontrapunkt, Harmonielehre und Klavier, letzteres bei dem bekannten Friedrich Wieck. Der Erfolg seiner pianistischen Ausbildung blieb aber unbefriedigend und fand schließlich sein Ende, als durch ein falsches Training eine Lähmung in der rechten Hand auftrat. So musste er auf eine Laufbahn als Virtuose verzichten. Die wurde jedoch von Clara Wieck, der Tochter des Lehrers, mit größtem Erfolg eingeschlagen. Binnen kurzer Zeit wurde sie eine der bedeutendsten Pianistinnen. Der Vater war auch unbedingt dagegen, dass sie Robert Schumann heiratete, er musste auf dem Gerichtswege zur Einwilligung gezwungen werden.

Um sich eine Existenzgrundlage zu schaffen, gründete Schumann 1834 zusammen mit Friedrich Wieck die “Neue Zeitschrift für Musik”, herausgegeben durch einen Verein von Künstlern und Kunstfreunden. Doch seine stärkste Seite lag auf dem Gebiet der Klavierkomposition, die er mit einem sorgfältig ausgefeilten, kontra-punktisch gearbeiteten und äußerst wendigen Satzbau versah. 1837 setzte sich erstmalig in einem Konzert Clara Wieck für Robert Schumanns Werke ein.

Das Klavierkonzert a-moll entstand 1841 zunächst als einsätzige “Fantasie für Klavier und Orchester” und wurde erst 1845 zum dreisätzigen Konzert ausgebaut. Tenor des Werkes ist Sehnsucht und Glück zweier liebender Menschen, von Schumann selbst in seinem Kampf um Clara erlebt – die beiden hatten 1840 gehei-ratet.

Romantische Musik wird aus einer Seelenlage geboren. In unserem Konzert legt zuerst die Oboe in einem freundschaftlichen g-moll-Auftakt die Stimmung fest. Das Klavier greift die Melodie auf, sofort entwickelt sich ein partnerschaftliches Miteinander zwischen dem Klavier und dem Orchester.

Wer begleitet wen? Manchmal mag man in einer breit angelegten Klangwoge des Orchesters einen nach vorne drängenden Gedanken erkennen und das Klavier umtänzelt mit hüpfigen 16´teln diese romantische Woge. Solche Passagen enden gerne im lautstarken Übermut des Orchesters. Dann umgekehrt: Die Pianistin darf mit ausladender Gestik (“espressivo”) zum “Folge mir” einladen und träumerisch, hypnotisch taumeln zuerst die Bässe, dann alles Tutti diesem Lockruf nach. Das Klavier “spielt” mit dem Orchester und jene finden es auch noch spaßig. Wie so vieles in der Romantik lässt sich solches Treiben gedanklich leicht als neckische Spielchen junger Liebenden interpretieren. Aber rein musikalisch gesehen zeugt es von einer genialen Virtuosität des Komponierens.

Zwischen die großen Hauptsätze legte Schumann ein Intermezzo – ein Zwischen-spiel. Es besteht aus vielen kleinen Ideen und zu jeder ließe sich ein “Roman” schreiben. Es ist, als nähme man eine Papierschwalbe, sorgfältig gefaltet und werfe sie in die Luft, bevor das nächste Exemplar folgen darf. Am Ende erleben wir einen Rückzug, eine wohltätige Ruhe, die sich zur erstarrenden Szenerie zu entwickeln scheint. Wenn wir aber genau horchen, ist es Spannung pur. Startlöcher für den letzten Wettlauf, und mit einem Ruck reißt der Vorhang für das “Allegro vivace” (lebhaft, heiter bewegt) des 3. Satzes auf.

Es wird viel Programmatisches in diese Musik gelegt, etwa wie Liebe (per Gerichtsbeschluss) über allzu philisterhaftes Denken siegt. Es reicht aber auch, einfach dem kämpfenden Elan, dem überschwellenden Temperament der Musik zu folgen, die manchmal wie ein Stepptanz stockend – eine geniale Anwendung von Hemiolen – daherkommt, dann wieder fließend nach Vorne zieht, um auf einer höheren Ebene die ersehnten Ziele zu erreichen.

Carl Maria von Weber musste eine schwierige Jugend meistern. Der Vater, war als Offizier, Beamter, Musiker und Kapellmeister tätig. Er gründete eine Schauspieltruppe und wurde reisender Theaterdirektor. Carl Marias Mutter war Opernsängerin und Schauspielerin. Der junge Weber erhielt die musikalische Ausbildung im Schnitt alle 6 Monate in einer anderen Stadt. Umso verwunder-licher erscheint der solide Fundus, mit dem er seine Stationen durcheilte: Kapellmeister in Breslau (18-jährig), Konzertreisen als Pianist durch ganz Europa, Operndirektor in Prag, schließlich Direktor der dt. Oper in Dresden. Seine bekannteste Oper “Der Freischütz” wurde 1821 im Berliner Schauspielhaus “am Gendarmenmarkt” uraufgeführt. Seine 1. Sinfonie schrieb Weber mit 21 Jahren. Sie wird zu Unrecht nur selten musiziert, denn manche schönen Einzelzüge deuten bereits auf den Meister des “Freischütz” hin.        Hans Jörg Walter

17.02.2008

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