Bodensee
Ärzteorchester e.V.

Mitglied im BDLO Bundesverband
Deutscher Liebhaberorchester e.V.

Werkbeschreibung 2009

Joseph Haydn: “L´infedelta delusa”, Uraufführung 26.7.1773, Wörtliche Über-setzung: “Die vereitelte Untreue”. Haydn komponierte die Oper auf Bestellung seines Dienstherrn, dem Fürsten Nikolaus Esterházy. Dieser machte damit seiner italienischen Schwägerin ein opulentes Geschenk zum Namenstag. In einer turbulenten Verkleidungskomödie schlüpft die kluge Vespina in zahlreiche Rollen, sodass es statt einer aus Geldgier geplanten Zweckheirat letztlich zu einer Doppelhochzeit aus Liebe kommt. - Wenig später war Kaiserin Maria Theresia zu Gast auf Schloss Esterházy, und man führte "L'infedeltà delusa" noch einmal auf. Auch die Kaiserin fand Gefallen an der Oper: an ihrem witzigen Libretto, das im bäuerlichen Milieu spielt und in dem es nur so wimmelt von Verkleidungs- und Verwechslungsszenen, und natürlich an Haydns spritzig-geistreicher Musik, die bewusst das besagte Milieu spiegeln will. Der Vollständigkeit halber erlaube ich mir den Hinweis auf Haydns 8 Jahre später entstandene Oper “La Fedelta Premiata” (Die belohnte Treue), deren Ouvertüre aus einem – wie üblich – einsätzigen Part mit 6/8-Takt besteht – auch sehr schön.

Vielen von uns ist der Name Max Bruch durch sein viel gespieltes Violinkonzert Nr.1 in G-moll geläufig. Doch von den fast hundert weiteren Werken strahlen besonders seine Chorwerke in die Welt, insbesondere weil sie aus den Sagen Nordeuropas und der griechischen Antike schöpfen. Schon früh zeigte sich bei Max Bruch ein Talent zur Musik. Allerdings geschah das Gleiche auf dem Gebiet der Malerei, sodass seine Verwandten ihn bereits als einen “zweiten Raffael” bezeichneten. Doch in einem plötzlichen kreativen Ausbruch komponierte er um sein 10. Lebensjahr viele kleine Werke, Motetten, Klavier- und Orchesterwerke, und von da an wurde Musik zu seiner ersten Liebe. Bruch wurde Musikdirektor, Hofkapellmeister in vielen Städten Deutschlands, auch 3 Jahre in Liverpool. In Berlin leitete er ab 1891 eine Meisterklasse für Komposition.

Zum Jahresende 1911 ließ er sich von seinem Sohn Max Felix, der als Klarinettist auch die Musikerlaufbahn einschlagen wollte, inspirieren, ein Werk für ihn und dessen Freund Willy Hess zu schreiben. Max Felix spielte denn auch in der Uraufführung am 5.3.1912 “vor allen Admiralen und Seekapitäns etc. etc. unserer Kriegsflotte” die Klarinette.

Espressivo-Melodik ist ein Merkmal des elegischen ersten Satzes. Vielen unserer Zuhörer wird das nordisch klingende Thema besonders auffallen. Es ist, als kenne man dieses “Volks”-lied schon immer. Auch mir erging das so. Tatsächlich handelt es sich um eine schwedische Volksweise, deren vier Anfangstakte hier Ver-wendung finden: “Vermelandsvisan” gibt es z.B. als “A song of Vermeland”(Ein Lied aus V.) von P. Grainger, der auch eine Version für Cello und Klavier herausgebracht hat (Skandinavische Suite). Nordisch und mit langem Atem zeigt sich auch der zweite Satz, wobei das Pizzicato der Streichinstrumente auf angenehme Weise große musikalische Bögen unterstützt. Aber auch sonst bietet uns Max Bruch mit diesem Doppelkonzert ein überaus reichhaltiges, von ostinalen Triolen  und anspruchsvollem Passagenwerk reich verziertes,  warmes Solokonzert.

Es ist sowohl technisch, wie musikalisch das genaue Gegenstück von I. Strawinsky´s zwei Monate später uraufgeführtem “Le sacre du printemps”. Und tatsächlich war Max Bruch am Ende seines Lebens auf die Modernisierer nicht gut zu sprechen und meinte damit (leider) u.a. Strauss, Reger, Pfitzner und Debussy. Möge also unseren verehrten Zuhörern während unseren Darbietungen in den Sinn kommen, was Herr Bruch in Anspielung seines großartigen Violinkonzertes mit den Worten beschrieb: “… habe ich vielleicht bloß dies eine Concert geschrieben? Gehen Sie hin und spielen Sie endlich einmal die anderen Conzerte, die ebenso gut, wenn nicht besser sind.”

Mit dem Namen Charles Gounod verbinden Musikkenner ein berühmt-berüch-tigtes “Ave Maria” nach dem 1.Präludium aus Bachs ”Wohltemperiertem Klavier” und damit jener religiös getönten Sentimentalität, die im 19. Jh. gelegentlich die Grenze des guten Geschmacks überschritt. Dass Gounod zu den fruchtbarsten Komponisten seiner Zeit gehörte und ganz unterschiedliche Genres bediente, ist hingegen kaum bekannt. Tatsächlich stammen aus seiner rastlosen Feder allein 21 Messen, zahlreiche Chor- und sonstige Vokalstücke, etliche Instrumentalwerke und 12 große mehr oder weniger erfolgreiche Opern.

Der französische Komponist entstammte einer Familie mit bewundernswerter kultureller Tradition. Sein Vater hatte als Vertreter der Bildenden Künste 1783 einen zweiten “Prix de Rome” gewonnen. Die Mutter war Pianistin und früh um die musikalische Ausbildung ihres Kindes bemüht. 1836 kam Charles ans Conservatoire, wo er Klavier, Kontrapunkt und Komposition studierte. Seine frühe Begabung erhellt aus der Tatsache, dass ihm 1837 ebenfalls der zweite Rompreis und 1839 der erste “Prix de Rome” zugesprochen wurde – in beiden Fällen mit Kantaten.

Gounods künstlerische Entwicklung stand maßgeblich unter dem Einfluss der deutschen Musik. In Italien lernte er Mendelssohn´s Schwester Fanny kennen, die ihn mit den Werken Bachs, Beethovens und Goethes bekannt machte. Eine seiner wichtigsten musikalischen Erfahrungen war auch der Besuch einer Aufführung von Mozarts “Don Giovanni” im Jugendalter. Seitdem war Mozart für ihn das Maß aller musikalischen Dinge.

Eine Frucht der Begeisterung Gounods für deutsche Instrumentalmusik sind die beiden Sinfonien, die 1855 und 1856 entstanden. Die 1. Sinfonie ist ein im besten Sinne unterhaltsames Werk der Art, wie man es etwa von Haydn kennt, wobei eine glückliche Verbindung guter deutscher Handwerklichkeit und französischem Flair wohl den Erfolg ausmacht. Bemerkenswert ist vor allem der zweite Satz, in dem Gounod auf höchst originelle Weise mit barocken Elementen und altertümlichen Wendungen spielt, zugleich aber offenbar auf den liedhaften langsamen Satz von Mendelssohns “Italienischer Symphonie” anspielt, die damals neue Musik war. Eine Fuge in der Mitte des Satzes – von den Celli begonnen – mutet dabei wie eine Hommage an J.S.Bach an.            Hans J. Walter

26.02.2009

Fragen, Anregungen, Kritik ? ... Schreiben Sie an den webmaster!

Copyright © :
Bodensee Ärzteorchester e.V. 2002-2017

webmaster und Design:
Wolfgang Gröller