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Die drei Komponisten unseres Konzertes
stehen im Bekanntheitsgrad heutiger Musik-liebhaber zwar nicht an einem der vorderen Plätze, verdienen es aber, beachtet zu werden. R.Vaughan Williams war englischer Komponist und Dirigent, H.Vieuxtemps
war ein belgischer Komponist und einer der berühmtesten Violinisten des 19. Jahrhunderts. C. Loewe, deutscher Komponist, lebt eher durch seine Lieder und Balladen als durch Symphonik oder Kammermusik in
unserem Bewusstsein.
Ralph Vaughan Williams (1872-1958) hatte
das Glück, von den besten Musikern seiner Zeit lernen zu dürfen: Hubert Parry, Charles Stanford, Gustav Holst, Max Bruch sind nur einige. Beruflich ließ er sich zunächst als Organist in London
verpflichten. Mit Begeisterung sammelte er Volkslieder und entdeckte in früher Jugend die Musik der Renaissance als eine Musizierart mit starker Strahlkraft für die eigene Seele. Beides beeinflusste
seinen Kompositionsstil erheblich. Als er 1919 als Kompositions-lehrer an das Royal College of Music berufen wurde, hatte er bereits viel komponiert, Opern, Sinfonien, Chor- und Orchesterwerke,
Kammermusik. Entsprechend starke Beachtung erfuhren viele seiner Werke auf der Insel. – Die Folk Song Suite ist als Militärmusik erdacht worden. Für volles Sinfonieorchester arrangierte sein Schüler
Gordon Jacob eine klanglich sehr reizvolle Version, die wir uns Ihnen zu präsentieren erlauben.
Es sind witzige, spritzige Melodien mit
teilweise unregelmäßigen Phrasierungen, die aber umso mehr die Phantasie bewegen. Die geschickte Verflechtung etlicher Folk songs dürfen wir von der Klarinette im Wechsel mit Flöte, den Violoncelli und
Violinen erfahren. Bitte achten Sie auch auf kontrapunktische Feinheiten, etwa wenn die hohen Instrumente – Oboe, Klarinette, Flöte, die Geigen – mit scharfkantigen Achteltriolen gegen die Wucht eines
Marsches aller Bass-Instrumente erfolglos anwettern. Solches betrifft den ersten und dritten Satz. Dazwischen legen sich fließende Wolken eines ruhigen Andantinos übereinander – auch das ein Ergebnis
eines in England bekannten Volksliedes – “My Bonny Boy”.
Henry Vieuxtemps (1820-1881) besetzt als
prominenter Vertreter
der französisch-bel-gischen Violinschule einen wichtigen Platz in der Violinliteratur. Seinen Unterricht hatte der junge Vieuxtemps bei lokalen Lehrern, doch die brilliante Technik - Louis Spohr und Robert Schumann verglichen ihn mit Paganini - brachte er sich letztlich selbst bei. Die schönsten Jahre erlebte Vieuxtemps zwischen 1840 und 1879 als gefeierter Violinist seiner Konzerte in Europa und Amerika. Nach zwei Schlaganfällen musste er sich in das Sanatorium seines Schwiegersohnes nach Algerien zurückziehen.-
Das Konzert Nr.5 entstand 1858 für einen
Violinwettbewerb des Konservatoriums Brüssel. Es gilt als eines der stärksten Konzerte Vieuxtemps, stark an Ausdruck und melodischer Poesie, bunt in seiner Virtuosität und Orchestrierung, ursprünglich in
seiner Form. Das Werk lebt von der freien, kühnen Gestaltung durch die Solistin ebenso wie von einer ebenbürtigen Begleitung durch das Orchester.
Carl Loewe (1796-1869), zwölftes Kind
eines Kantors und dessen Frau, genoss eine fundierte musikalische Förderung. Seine Stationen: Sängerknabe im Köthener Knaben-chor, Sopransänger im Stadtsingechor Halle, Solist bei Konzerten,
hervorragender Pianist, Student der Theologie, Prüfung als Kirchen- und Schulmusiker (mit Auszeichnung), Kantor, Organist, städt. Musikdirektor (46 Jahre), Gründung des pommerschen Chorverbandes,
Ausrichtung zahlreicher Musikfeste, Ehrendoktor der Universität Greifswald und Mitglied der Berliner Akademie der Künste. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in Kiel.
“Carl Loewe hat die Ballade, als
besondere erweiterte Form des Sololiedes im 19. Jahrhundert, bekannt gemacht – als Komponist und auch als Sänger. In den Balladen kommt seine Fähigkeit der anschaulichen Schilderung, der bildhaften
Tonmalerei und eindringlichen Charakterisierung von Gestalten, Schauplätzen und Vorgängen am besten zum Ausdruck. Seine Themenvielfalt ist enorm. Neben den bevorzugten Bereichen der Historie, der Sage
und der Märchen hat er Alltags- und Genrebilder geschaffen, Idylle und moralische Fabeln; Großes steht neben Kleinem, Schlichtes neben Phantastischem, Unheimliches neben Verspielt-Humoristischem. Loewe
verfügte über eine schöne Tenorstimme und war ein überaus eloquenter, intensiver Vortragskünstler.” (Wikipedia) Wer kennt nicht die Balladen “Heinrich der Vogler”, “Archibald Douglas”, “Die Uhr” u.v.m.
Alles was über ihn und seine Balladen
gesagt werden kann, gilt auch in Bezug auf seine beiden Sinfonien, d-moll und e-moll, wie auch sein Klavierkonzert, die sich – alle drei – Loewe mit 18 Jahren leistet: heiter im Gemüt, konsequente
harmonische Führung, virtuose solistische Einlagen für nahezu alle Instrumente, überraschende rhythmische Figuren, ein Scherzo mit zwei Trios. Was wollen Musiker mehr?
Hans Jörg Walter .
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