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Ludwig van Beethoven
In den Sagen des griech. Altertums wird
Prometheus als mythischer Rebell gegen die Feindseligkeit der Götter und als Wohltäter der Menschheit geschildert. Prometheus und sein Bruder Epimetheus erhielten die Aufgabe, die
Menschen und die Tiere auf der Erde mit allen Fähigkeiten auszustatten, die zum Überleben notwendig sind, also z.B. Mut, Stärke, Schnelligkeit. Epimetheus verbrauchte aber leichtsinnigerweise alle Mittel für die Tiere. So schuf Prometheus die Menschen aus Lehm und ließ ihnen von Athene Leben einhauchen. Doch in der Frage, welche Teile der Opfertiere seinen “Geschöpfen” zugesprochen werden sollten und welche Teile den Göttern vorbehalten bleiben sollten, zog Prometheus den Zorn des Gottvaters Zeus auf sich. Als dann Zeus den Menschen auch das Feuer vorenthalten wollte, überlistete Ihn Prometheus ein zweites Mal. Er entzündete am Feuer der Sonne eine Fackel und schenkte sie den Menschen.
Zur Strafe ließ Zeus Prometheus an
einen Felsen im Kaukasus schmieden, wo Tag für Tag ein Adler seine Leber fraß, die immer über Nacht nachwuchs. Nach endloser Qual wurde Prometheus von Herakles befreit, der den Adler mit einem
Pfeilschuss erlegte.
Zur Zeit Beethovens sah man in
Prometheus den rebellischen Künstler, was dem Charakter unseres Komponisten sehr nahe kam. Der Begriff des Prometheischen stand und steht für die Kräfte der Natur, die das individuelle Gestaltungs- und
Vorstellungsvermögen übersteigen. Das war in alten Zeiten das Feuer, in unserer Zeit sind es die Kräfte der Technik, heute etwa der Datenfluss in den Computernetzen.
Wolfgang Amadeus Mozart
Die vielen Reisen, die W.A.Mozart in
seiner Jugend unternahm, brachten dem jungen Genie die Berührung mit allen Musikstilen seiner Zeit. In Wien traf er mit Joseph Haydn, in London mit Joh. Christian Bach zusammen, und schon bei der ersten
Reise nach Paris 1763 machte er sich mit dem Mannheimer Orchesterstil bekannt. Die Tradition des spätbarocken ´Concerto grosso´, bei dem eine kleine Solistengruppe heraustritt, erfuhr durch die dortigen
ausgezeichneten Musiker eine neue Blüte. Es ist anzunehmen, dass sich Mozart aus Mannheim die unmittelbare Anregung für seine zwei konzertanten Sinfonien (einmal in KV 364 mit Violine / Viola, und in KV
287b mit 4 Bläsern) geholt hat, beide Werke stehen in feierlichem Es-Dur. Andererseits beeindruckte den jungen Mozart in Mannheim auch die größere, sinfonische Besetzung des Orchesters.
Geschickt verband er nun in den
konzertanten Sinfonien beide Stile, das barocke Concerto grosso und das klassische, sinfonische Orchester. So beauftragt er in der Einleitung zum ersten Satz das
ganze Orchester, lässt aber die Begleitung der Solisten von einer Kleinbesetzung ausführen.
Der langsame Satz beginnt mit einem
schmerzlich verhaltenen Gesang der Violinen über einem dunklen Hintergrund tiefer Streicher. Diese schöne Melodie mag uns daran erinnern, dass Mozart die Sinfonie 1779 in Salzburg komponierte, kurz
nachdem er ohne seine Mutter aus Paris zurückkehren musste. Sie war dort am 3. Juli 1778 verstorben. Dennoch ließ sich der 22-jährige Komponist nicht zu einer Trauermusik verführen. Ernst und Größe
zeichnen den edlen Gesang aus, der sich bald zu bedeutender, fast dramatischer Steigerung weitet. Vorbildlich sind übrigens die beiden von Mozart selbst komponierten Kadenzen in den ersten beiden Sätzen.
Das Finale beschwört endlich die guten
Geister froher Laune herauf. Ein lebendiges, frisches Thema mit vorwärtsdrängenden Akzenten wird mit virtuosem Spiel immer wieder neu beleuchtet.
Carl Orff
In Carl Orffs Bühnenstück “Carmina
burana” wird dem Tanz eine wesentliche Rolle zugeordnet. Wir beginnen die 5 Stücke, die der Komponist Friedrich K. Wanek mit Orffs Genehmigung bearbeitet hat, mit dem Tanz “Auf dem Anger”. Ein Anger ist
ein dorf-nahegelegener Weideplatz, also ein Ort, der für die Dorfjugend allzu gern zum kleinen Treffpunkt zwischen den Tagesrhythmen genutzt werden konnte. Natürlich ´ganz ohne Hintergedanken´ setzte
Orff diesen Tanz zwischen die Lieder des ersten Teils der “Carmina”, der dem Frühling gewidmet ist.
Wir lassen solche Hintergedanken gern zu und folgen mit “Amor volat undique”:
Der Text des Originalliedes heißt: “Amor
– der röm. Gott der Liebe – flieget überall, von Verlangen begriffen. Jünglinge und junge Mädchen vereinen sich in rechter Weise. Die ohne einen Liebsten ist, versäumt alle Freuden, hegt tiefe Nacht in
ihrem tiefsten Herzen, ein bitteres Los.”
Unser 3. Satz bringt das Glücksrat der
Fortuna ins Spiel, wie es C. Orff als sein Wappenzeichen empfand. “Ich beklage die Wunden, die Fortuna schlug, mit weinenden Augen, weil sie mir ihre Gaben widerspenstig entzieht.”
“In trutina”: Der Text dieses im
Original durch eine helle Sopranstimme interpretierte Lied heißt: “Auf der unentschiedenen Waage meines Herzens schwanken einander entgegengesetzt lustvolle Liebe und Schamhaftigkeit. Doch ich wähle,
was ich sehe, beuge meinen Nacken unter das Joch, trete unter das süße Joch.”
Der Schlusssatz “In taberna” führt uns in die Schenke. Dort “fragen
wir nicht nach irdischer Vergänglichkeit, sondern eilen zum Spiel, über dem wir schwitzen. Manche spielen, manche trinken, .. Hier fürchtet keiner den Tod. …”
Antonin Dvorák
Antonin Dvorák wuchs in der Nähe von
Prag auf. Er besuchte als Kind eine Orgelschule, erhielt also eine gründliche theoretische und praktische Ausbildung. Den ersten Lebensunterhalt verdiente er sich als Kirchensänger, Gasthausmusikant und
Bratscher in Musikkapellen. Unter dem lebendigen Eindruck des Kapellmeisters Friedrich Smetana begann er selbst zu komponieren.
Die tschechische Suite, auch unter dem
Namen “böhmische Suite” bekannt, entstand 1879. In diesem Werk erklingt rein tschechische Musik, die in der Vorstellung des Hörers die blühende böhmische Landschaft entstehen lassen soll. Besonders der
letzte Satz möge uns an die verrückten Tänze erinnern, die Anton in den
Gaststuben im Wirtshaus seines Vaters als Kind miterleben durfte, wo man anhand feuriger Furianten über die Bretter des Bodens hinwegfegte.
Hans Jörg Walter
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