Bodensee
Ärzteorchester e.V.

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Werkbeschreibung Konzerte Weissenau/Messkirch 2003

Der Katalog der Kompositionen von Franz Schubert (1797 - 1828) umfasst 998 Nummern, darunter 634 Lieder mit Klavierbegleitung. Da zu seinen Lebzeiten fast nur Lieder gedruckt wurden, entstand der heute noch nicht völlig korrigierte Eindruck, dass Franz Schubert nur wegen seines Liedschaffens Beachtung verdiente. Doch 9 Sinfonien, 2 Ouvertüren, zahlreiche Kammermusikwerke und die liebenswürdige, beliebte Musik zu “Rosamunde” beweisen, dass Franz Schubert auch die Kraft hatte, sich musikalisch mit allen Seiten des Daseins, den helleren und düsteren, auseinanderzusetzen. Der Romantiker kommt gerade in seinen sinfonischen Werken ganz zum Vorschein.

Franz Schubert lebte in einer eigenen Welt. ”Ich bin zum Komponieren auf die Welt gekommen und zu sonst nichts” erkannte er selbst. Gewiss lebte er äußerlich wie alle anderen Menschen, aber er dachte, sprach und schrieb nur in der Welt der Musik. Seine äußere Erscheinung war wie eine Scheinexistenz, die Zeit lief an ihm vorbei, denn sein Leben bestand aus Komponieren, Musizieren und Vortragen seiner Werke, egal, ob sie über seinen Freundeskreis hinaus der Öffentlichkeit bekannt wurden oder nicht.

Das zeigt sich kaum deutlicher, als in der Musik zu “Rosamunde”. Helmine von Chézy, die Verfasserin von Webers “Euryante”-Text, schrieb den Text für ein belangloses romantisches Schauspiel über eine griechische Fürstin von Zypern “Rosamunde”, das nur ein Mal, am 20. Dez. 1823, im Kärntnertor-Theater in Wien aufgeführt und dann zur Seite gelegt worden war. Franz Schubert komponierte drei Zwischenakt- und zwei Ballettmusiken zu dem Schauspiel und ergänzte alles mit dem Vorspiel zu seiner Oper “Die Zauberharfe” (1819), einigen Chören und einer Gesangsromanze.

Die Instrumentalstücke sind Volksmusik in vollendetem künstlerischen Gewande. Schon nach den ersten Takten der Einleitung spüren wir die Innigkeit und Vertrautheit, die uns mit lieblichen Melodien, anmutig graziösen Rhythmen und traumversponnenen Harmonien anspricht. Der Reiz liegt in der Schlichtheit, in der “die Natur eines ihrer schönsten Feste feiert” (Reclams Konzertführer).

Das berühmte Violinkonzert von Max Bruch steht im Zentrum des ersten Teils unseres Konzertes. Dieses empfindungsvolle Werk hat sich unvermindert in der Gunst der Virtuosen wie auch der Hörer erhalten. Seine ausdrucksreiche Melodik und der wirkungsvolle Wechsel zwischen Bläsern, Solovioline und ganzem Orchester lassen die Beliebtheit des Werkes berechtigt erscheinen.

Max Bruch wurde am 6. Jan. 1838 in Köln geboren. Zur Person nur einige Skizzen: Vierzehnjährig erhält er mit einem Streichquartett den Preis der Mozartstiftung, wird bald bekannt als Dirigent, unternimmt ausgedehnte Studienreisen, wirkt als Kapellmeister in vielen deutschen Städten, daneben auch 3 Jahre in Liverpool, und erhält endlich eine Professur für Komposition an der Musikhochschule in Berlin, wo er schließlich am 2. Okt.1920 stirbt. Aus seiner Schule ging Ottorino Respighi hervor.

Mit dem ersten Violinkonzert hat der 28-jährige Komponist einen genialen Wurf geliefert. Er widmete das Konzert dem großen Geiger Joseph Joachim, der es 1869 höchst erfolgreich aus der Taufe hob. Ursprünglich sollte es den Titel “Fantasie” tragen und übernahm davon noch die Benennung des ersten Satzes mit “Vorspiel”.

Lyrisches Zentrum aber ist der 2. Satz, der wie eine Violinromanze beginnt, und in der sich der melodische Erfindungsreichtum Bruchs besonders bewährt. Nach leidenschaftlicher Steigerung zur Satzmitte hin folgt ein äußerst poetisch wirkender Tonartwechsel: Nach Ges-Dur ”entrückt” klingt der Gesang der Orchesterviolinen wie eine träumerische Vision. Doch bald nimmt die Solovioline wieder energisch die Zügel in die Hand und führt nach dynamischer Steigerung tonlich und rhythmisch Virtuosität vor.

Effektvoll tänzerisch gibt sich das Finale, in dem sich ein Hauptthema mit feuriger Rhythmik aufbaut und seinen Gegenpol in einem lauten pathetischen, pompösen Nebenthema erhält.

Gabriel Urbain Fauré wurde am 12. Mai 1845 in Pamiers, Ariége, geboren. Er war Schüler der École Niedermeyer und studierte bei Camille Saint-Saens und Pierre Louis Dietsch. Wie viele französische Komponisten verdiente er sich den ersten Lebensunterhalt an der Orgel, zunächst an St.-Sauveur in Rennes, dann an Notre-Dame de Clignancourt in Paris. Mit 26 Jahren begann er als Lehrer an der École Niedermeyer, blieb aber zeitlebens dem Organistendienst an mehreren Kirchen treu. Im Jahre 1905 wurde er Leiter des Conservatoire in Paris, wo er am 4. Nov. 1924 starb.

Masques et Bergamasques  geht auf eine Auftragsarbeit Faurés für den Prinzen von Monaco zurück. Dieser hatte ihn um eine unterhaltsame Musik für einen Einakter (Libretto von René Fauchois) gebeten. Fauré lieferte eine Folge von 8 Musikstücken ab, die z.T. neu komponiert, z.T. aus älteren Kompositionen für Chöre und Solostimmen nun neu eingerichtet wurden. Die Premiere der Masques et Bergamasques  fand in Monaco im April 1919 statt.

Als schönes Beispiel einer solchermaßen “umgewidmeten” Komposition möchte ich die berühmte Pavane nennen, die Fauré im Sommer 1887 für die Gräfin Elisabeth Greffuhle komponiert und als op. 50 veröffentlicht hatte. Diese Anpassungsfähigkeit ist ein integraler Bestandteil französischer Musik, und das Wesentliche dabei ist - wie Ravel bemerkt hat -, dass der gute Geschmack gewahrt bleibt.

aktualisiert am 09.04.2003

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