Bodensee
Ärzteorchester e.V.

Mitglied im BDLO Bundesverband
Deutscher Liebhaberorchester e.V.

Werkbeschreibung St.Gallen/Weissenau/Friedrichshafen 2005

Im Mittelpunkt der diesjährigen Konzerte des Bodensee-Ärzteorchester stehen Werke von  Ludwig van Beethoven.

Der Großvater mit gleichem Namen und Vornamen war aus Flandern eingewandert, um in Bonn als Kapellmeister zu wirken. Doch für Ludwig, dem Enkel, wäre Bonn zu schmal gewesen. Dort hätte er sich nicht zu dem Titan der Musik entwickeln können, der er wurde. Man sandte ihn nach Wien, damit er sich von Mozart ausbilden ließ.

In Wien war das Musikleben längst aus dem Schatten des Kaiserhofes herausgetreten und wurde von einem musikalischen Adel und einem geistig aufstrebenden Bürgertum getragen. Nur so ist zu verstehen, dass das 1803 auf 04 geschriebene Konzert für Violine, Violoncello und Klavier – das Tripelkonzert – seinem fürstlichen Mäzen von Lobkowitz gewidmet wurde. Und komponiert wurde es für den jungen Erzherzog Rudolph von Österreich, bald nachdem dieser Beethovens Schüler geworden war. In der Zeit der Klassik finden wir unter den Adligen oft hervorragende Musiker. Der Spieltechnik des Erzherzogs waren aber offensichtlich Grenzen gesetzt, sodass sich die Uraufführung bis ins Jahr 1808 hinzog und der Klavierpart letztlich gar nicht von Rudolph gespielt wurde. Doch nun einige Worte zum Konzert selbst.

Die Schönheiten des Tripelkonzerts erschließen sich nicht auf Anhieb. Seine musikalischen Gedanken fesseln weniger durch äußerliche, kraftvolle Entwicklung als durch feinsinnige Beziehungen in kunstvoller Verschränkung. Das gilt besonders für den ersten Satz, dessen Themen nicht – wie im klassischen Sonatensatz üblich – kontrastieren, sondern gleichsam aus einer einzigen Idee heraus entwickeln. (Der Komponist: “Sie – die Ideen – kommen ungerufen .. im Walde, bei Spaziergängen, am frühen Morgen .. angeregt durch Stimmungen, die sich beim Dichter in Worte, bei mir in Tönen umsetzen.”)  Ohne große Ankündigung wird die Idee gleich in den ersten Takten quasi in der Dunkelheit tiefer Töne (Bässe und Celli) geboren und weist schon die für den ersten Satz insgesamt charakteristische punktierte Figur auf. Planvoll gesteigert wird der Satz durch die Einführung weiterer Themen, z.B. durch das Orchester, die ihre Verwandtschaft mit der Idee nicht leugnen wollen.

Die Folgesätze sind kürzer. Der zweite – ein Largo – besteht nur aus 53 Takten, hat aber eine starke poetische Kraft. Sie wird sowohl vom concertanten Trio, als auch vom Orchester in einer Art Hausmusik, wie sie in der väterlichen Familie Beethovens viel gelebt wurde, vorgetragen. Unmittelbar leitet das Solo-Violoncello in das Finale über, einem feurigen “Rondo alla Polacca mit einem federnden Polonaisenthema, das den Verlauf des tänzerisch beschwingten Satzes bestimmt.

Die zweite Sinfonie wurde im Jahr 1803 uraufgeführt. Damals veranstaltete Beethoven im Theater an der Wien ein großes eigenes Konzert, das auch nur eigene Werke enthielt. Überdies stellt die 2. Sinfonie ein bewundernswürdiges Zeugnis für die Größe des Menschen Beethoven dar. Nahe der Verzweiflung vor dem drohenden Verlust des Gehörs komponiert er in qualvollen Sommermonaten 1802 diese lebensbejahende Sinfonie. Beethoven wusste zu unterscheiden zwischen persönlichem Leid und seiner gesellschaftlichen Aufgabe als Künstler, der sich mit Botschaften an die Allgemeinheit wendet.

Die langsame Einleitung mit einer elegisch singenden Melodie, eingekeilt von heftigen Tuttischlägen, kündet zwar vom Ernst der Situation. Doch die Bedrohung wird überwunden (“Ich will dem Schicksal in den Rachen greifen, ganz niederbeugen soll es mich gewiss nicht.). Der Hauptsatz weckt frohgemute Bilder, das heiter-helle D-Dur-Thema ist ein klassisches Dreiklangsthema. Die kurzen Motive, die es enthält werden später zur treibenden Kraft großer Entwicklungen, die ein bewegtes Geschehen entfalten.

Der liebenswerte zweite Satz ist ein melodisch, blühendes, romanzenhaftes Stück, angelegt in Sonatenform. Mit seinen zwei Themen in A-Dur und E-Dur breitet sich eine tänzerische Heiterkeit aus, die der Musik zu außerordentlicher Schönheit verhilft.

Erstmals betitelt Beethoven in dieser Sinfonie einen Satz mit Scherzo. Polternder Humor soll sein Unwesen treiben. Schroffe Nebeneinander von Forte und Piano rufen echohafte Wirkungen hervor. Wie Fangbälle werfen sich verschiedene Instrumentengruppen die drei Viertelnoten eines Motivs zu

Mit einer heftigen Geste des Unwillens setzt das Finale ein. Aber es ist nicht böse gemeint. Die heitere Art aus dem vorausgehenden Satz wird nur mit anderen Mitteln weitergeführt: 4/4-Takt, weiche Melodien der Holzbläser werden mit lustigen Staccatovierteln der Streicher untermalt, lautstarke Vulkanausbrüche des Tuttis stehen direkt neben einem erstarrten Ton Fis der Streicher – typisch Beethoven: “Ich will dem Schicksal in den Rachen greifen ... Oh, es ist schön, das Leben tausendmal leben.”

Aktualisiert am 18.07.2005

 

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